Schmerzfrei ist besser!
Tennis gilt allgemein als risikoarme Sportart. Dennoch klagen viele Spieler über 35 über Schmerzen – besonders in Knie, Rücken, Schulter oder Ellbogen.
Warum ist das so? Und warum so häufig jenseits der Ü35?
Ein wesentlicher Grund: Die körperliche Belastung wird oft unterschätzt. Dieser Faktor betrifft auch viele Jugendliche, die ambitioniert spielen. Denn auch dort treten früh Knie- und Rückenbeschwerden auf – von Morbus Schlatter bis zu Knochenödemen und Überlastungsbrüchen der Wirbelsäule. Ein prominentes Beispiel ist Arthur Fils, der seit den French Open eine Zwangspause aufgrund eines Ermüdungsbruchs in der Lendenwirbelsäule nehmen muss.
Tennis fordert Beweglichkeit und Stabilität in nahezu allen Gelenken:
- unter hoher Last (dem 3–5-fachen Körpergewicht bei Richtungswechseln),
- mit hoher Wiederholungsrate,
- während wir hochkomplexe Bewegungen muskulär absichern müssen.
Ein weiterer Grund, der vor allem erwachsene Spieler betrifft, ist, dass wir ab dem 30. Lebensjahr ca. 1 % Muskelmasse und Kraft pro Jahr verlieren (Sarkopenie) und aufgrund mangelnder Bewegung im Alltag und sitzender Tätigkeiten zunehmend Beweglichkeit einbüßen. Nur wenige Spieler berühren noch mühelos ihre Zehen mit den Fingerspitzen.
Modernes Material, extreme Griffhaltungen und höhere Schlaggeschwindigkeiten erhöhen die Anforderungen zusätzlich.
Je häufiger und intensiver gespielt wird, desto größer das Risiko für Überlastung, Fehlbelastungen und Schmerzen.
Kurz gesagt: In der Jugend ist der Körper noch nicht bereit für diese hohen Belastungen, und wenn wir älter werden, ist er es oft nicht mehr.
Die gute Nachricht: Mit gezieltem Training lassen sich viele Beschwerden deutlich bessern – oder sogar vermeiden.
Und das mit überschaubarem Aufwand, egal wie alt du bist.
An einem Beispiel aus meiner Praxis möchte ich zeigen, wie das gelingen kann.
Florian (46) – Tennisspieler (LK 5), Trainer, Rettungssanitäter
Florian spielt seit seiner Kindheit Tennis und hatte als junger Erwachsener berechtigte Profi-Ambitionen. Nach dem Ausstieg aus dem Leistungssport beschloss er – wie er selbst sagt – „sich nie wieder zu dehnen“.
Eine Entscheidung, die er gemäß eigener Angabe sehr bereut.
Als er zu mir kam, hatte er starke Schmerzen in der Hüfte. Nachts wurde er durch Bewegungen im Schlaf wach, auf dem Platz musste er seine Bewegungen ständig „um den Schmerz herum“ organisieren.
Ein schmerzfreier Split-Step war nicht mehr möglich.
Tennis spielen wurde für ihn „ein immer größeres Gemurkse“.
Seine Zeit als Tennistrainer mit eigener Tennisschule lag hinter ihm und er arbeitet seitdem als Rettungsanitäter im Schichtdienst. Trotz medizinischem Hintergrund und der Unterstützung seiner Frau, die selbst Physiotherapeutin in eigener Praxis ist, bekam er die Schmerzen nicht in den Griff.
Anamnese und Analyse
Wir begannen mit einer ausführlichen Anamnese. Organische Erkrankungen lagen nicht vor, lediglich bei ein paar alten Verletzungen wurde ich hellhörig. Denn alte Verletzungen hinterlassen häufig Kompensationsmuster, die ihrerseits langfristig zu Fehlbelastungen und somit zu neuen Beschwerden führen. Bei mir war eine Sprunggelenksversltzung, die ich mir mit 17 Jahren zuzog, ein Grund für meine jahrelangen Rückenschmerzen.
Florians Bewegungsanalyse ergab:
- deutlich eingeschränkte Beweglichkeit des linken Sprunggelenks
- stark verkürzte hintere Muskelkette (v.a. Beinrückseite),
- eingeschränkte Rotation der Brustwirbelsäule (rechts),
- stark eingeschränkte Innenrotation der Hüfte beidseit
Funktionell betrachtet lief Florian mit einer deutlichen „Unwucht“ durch den Alltag und über den Platz. Die asymmetrische Belastung beeinträchtigte seine gesamte Stabilität. Die notwendige Rotation in der BWS und Hüften bei den Grundschhlägen konnte Florian aufgrund der Einschränkungen nicht erbringen und musste zwangsläufig kompensiert werden. In seinem Fall durch eine erhöhte Spannung in der Rotatorenmanschette der Hüfte.
Dieser Fall zeigt anschaulich, wie unser Körper auf Dysfunktionen reagiert – und warum die Ursachen oft nicht dort liegen, wo der Schmerz empfunden wird.
Ziele
Das primäre Ziel war natürlich eine deutliche Reduktion der Schmerzen. Ob Schmerzfreiheit möglich ist, kann man nie genau vorhersagen.
Es gilt aber: je länger Beschwerden bestehen, desto länger dauert der Weg der Besserung. Und eine Besserung ist fast immer möglich.
Ein Verständnis funktionaler Zusammenhänge und die Schulung von eigener Körperwahrnehmung ist eine weitere wichtige Säule der Therapie.
Denn: Wer den Sinn einer Übung kennt, ist motiviert. Wer ein gutes Körpergefühl entwickelt, kann sich bei der Ausführung der Übungen selbst korrigieren. Damit werden Motivation und Eigenkompetenz meiner Klienten und ihr Gefühl für Selbstwirksamkeit aktiv gefördert.
Meine Klienten sollen in die Lage versetzt werden, auch nach der Therapie selbstständig weiterzutrainieren, passende Übungen auszuwählen und mit Hilfe der erlernten Prinzipien korrekt umzusetzen – statt blind Übungsprogramme abzuspulen.
Torsten Hunold arbeitet sein über 20 Jahren mit Schmerzen im Bewegungsapparat.
Wenn es Dir ähnlich geht und Du schwer einschätzen kannst welche Übung für dich geeignet ist, findest du in meinem kostenlosen PDF-Guide zwei einfache Funktionstests mit den passenden Übungen inklusive praktischen Tipps für eine reibungslose Umsetzung in Deinen Alltag.
Oder melde Dich gerne über meine Webseite bei mir und ich berate Dich ganz unverbindlich in einem persönlichen Gespräch.
Jede Reise beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt.
Meinen Job sehe ich darin, Dich darin zu unterstützen die ersten und vor allem die richtigen Schritte zu tun.
Euer Torsten